Mal wieder dringend nötig: „Der gute Kampf des Glaubens um die Bibel“

Ja, „alle Jahre wieder“, könnte man sagen, der „gute Kampf des Glaubens um die Bibel“ ist Mal wieder dringend geboten oder sogar überfällig.  Der martialisch klingende Begriff „Kampf“ ist natürlich als Bild gemeint. Damit ist nicht gemeint, wir Christen sollten irgendwie physisch kämpfen. Das ist Quatsch. Es geht viel mehr um das klassische Streitgespräch, die sogenannte disputatio als einer altehrwürdigen akademischen Disziplin, um dadurch philosophische oder theologische Sachfragen zu klären. Um diesen Kampf geht es mir. Der muss wieder einmal mehr geführt werden. Warum? Weil die Unklarheiten in Fragen rund um die Bibel und rund um die sachgerchte Bibelauslegung eklatant zunehmen auf der Basis der Gemeinden und unter Christen. Deshalb hier nun ein paar Thesen zum Weiterdenken:

  1. Das Fragen „Was ist die Bibel?“ und „Wie legen wir die Bibel sachgerecht aus?“ MÜSSEN prominent auf kleinen und großen Tagesordnungen von Gemeindebünden, Gemeinden und Kirchen stehen. Das ist gegenwärtig wieder ein unaufgebbares „MUSS“.
  2. ABER: Auf vergangene Bekenntnisse – konfessionell überwiegend gerade nicht liberal-theologischer Gruppierungen und Konzile – können „wir“ uns in solchen Bibelfragen heutzutage für die Ortsgemeinden kaum noch berufen. Denn kaum ein Gemeindeglied hat einen Bezug zu „Bekenntnissen“ oder „Theologischen Erklärungen“, weder zu klassischen (außer vielleicht zum Apostolikum), noch zu modernen (Barmen, CE I-III usw.). Da muss stattdessen u.a. das Motto angestrebt werden: „Was du von deinen Vätern ererbt, erwirb es, um es zu besitzen.“ Das bedeutet, dass das ABC der Schriftlehre neu vermittelt und neu in der gegenwärtigen Generation erläutert werden muss, damit die Geschwister es sich erstmals/ neu eigenständig aneignen, um es dann auch eigenständig ihr eigen nennen zu können.
  3. Die Mit-Christen in Landes- und Freikirchen und Gemeinschaften mit dem Geburtstag nach ca. 1980 müssen nach meiner Einschätzung erst einmal „neu/ erstmalig“ vermittelt bekommen, worum die „Väter“ in der Bibelfrage seit Jahrhunderten immer wieder gerungen haben, um der Wahrheit Gottes treu zu bleiben. Dafür haben in postmodern geprägten „Gehirnen der gefühlten Relativität“ kaum noch Geschwister eine Antenne, geschweige denn Herz und Verstand, darum ernsthaft zu ringen. Da muss dringend an einer Veränderungen des Denkens gearbeitet werden.
  4. Konsequenzen aus 1. bis 3.: Der Ortsgemeinde und vielen Mit-Christen muss erst einmal (oft erstmals!) erklärt werden, warum das (oft wieder notwendigerweise erbittert geführte) Ringen um die Bibel nicht altbackenes Theologengezänk ist, sondern dass es notwendig ist um der geistlichen Gesundheit von Christen und Gemeinden Willen.
  5. Die gegenwärtige unter protestantisch Konservativen eingesickerte Relativierung oder Aufhebung des Schriftprinzips (vgl. z.B. Worthausvorträge, das Buch von Thorsten Dietz, die Herausforderungen im FeG-Bund (Jungfrauengeburt usw.), der Richtungsstreit um die Art der Schriftauslegung in fast allen pietistischen Gemeinschaftskreisen, in fast allen Freikirchen und namenlosen „Neugründungsbewegungen“) verdeutlichen, dass wir es hier mit der Spitze eines theologisch höchst relevanten Eisbergs zu tun haben, an dem Gemeindebünde, Konfessionen, Gemeinden und Einzelne dem Schicksal der Titanic zum Opfer fallen könnten (vgl. die Sieben Sendschreibengemeinden in Offb. 2-3). Arbeiten wir daran mit, auch durch Beten und Flehen zu Gott, dass das „Titanic-Schicksal“ möglichst wenige Gemeinden erleiden müssen. Der Kampf um die Bibel und um ihre sachgerechte Auslegung sind zentrale Anliegen eines mündigen Christentum.
  6. Es ist gut, dass diese aktuell entbrannten Debatten um die Bibel nun wieder (mehr oder weniger) öffentlich geführt werden, auch von Thorsten Dietz, Markus Till und mittlerweile vielen anderen. Danke! Das ist gut! Raus aus den verborgenen Nischen!

Nun kommt es aber darauf an, weise und kompetent zu agieren und zu reagieren. Wenn fromme Gemeinden oft keine Ahnung mehr haben, was am Thema „Unfehlbarkeit der Schrift“ so wichtig ist oder am Begriff „irrtumslos“ oder dem der „Bibeltreue“, dann müssen „wir alle“, die es besser wissen,  Grundlagenarbeit betreiben, die Antennen der Gläubigen wieder auf solche Themen auszurichten. Dazu braucht es Einfühlungsvermögen, Weisheit, theologische Kompetenz und gut begründete, leicht verständliche Antworten. Es geht letztlich um Mündigkeit möglichst vieler, auch in Fragen der Bibel. Und dafür müssen Mit-Christen erst einmal wieder sensibilisiert und positiv motiviert und gewonnen werden. Denn voraussetzen kann man m.E. gar nichts mehr.

Wenn dann jedoch die Fraktion der „Bibeltreuen“ unweise argumentiert oder gar keine sachlichen Gründe für ihre Position vorbringt, verliert sie die unerfahrenen und noch suchenden Mit-Christen, die sich oftmals noch gar nicht positioniert haben, wahrscheinlich weil sie bisher  nicht oder nur unzureichend in Bibelfragen unterwiesen und geschult worden sind. Das gilt es zu vermeiden.

  1. Mein Plädoyer: „Wir“ müssen klar und einfach und begründet wichtige Leitbegriffe zur Bibelfrage neu, zeitgemäß und plausibel öffentlich erklären, ganz egal, wieviele Bekenntnisse es zur Schriftfrage schon gab und gibt. Diese kennt keiner mehr unter denen, die wir „gewinnen“ bzw. die wir „nicht verlieren“ wollen.

Lei(t)dfragen:

Was bedeutet „irrtumslos“, was nicht“?

Was bedeutet die Inspirationslehre, was nicht?

Was ist die Bibel, was ist sie nicht?

Was ist Wort Gottes und was ist es nicht?

Woher wissen wir etwas über Gott (Offenbarung, Selbstmitteilung Gottes usw.) und was kann nicht über Gott ausgesagt werden?

Wie ist das Verhältnis von Bibel und Jesus Christus zu erklären, wie nicht?

Welche innerbiblisch abgeleiteten Regeln zur Schriftauslegung gilt es zu beherzigen, welche warum nicht?

Solche simplen Fragen sind im Blick auf ihre Beantwortung weitgehend unklar in vielen Gemeinden, weil dort oft eher ein spirituell-emotionaler Pragmatismus oder Aktionismus vorherrscht, der selten über die„Grundlagen“ des Glaubens Rechenschaft ablegen muss oder will.

Solche Fragen müssen jedoch gestellt und einfach verständlich erklärt und beantwortet werden. Viele aktuell populär argumentierende Publikationen (Worthaus, Thorsten Dietz und v.a. tun das) stellen solche Fragen und beantworten sie teilweise mit Antworten, die bereits seit 230 Jahren in der akademischen Theologie kursieren und die immer weiter differenziert  wurden, heutzutage nun in Kombination mit traditionell eher konservativen Antworten zur Hl. Schrift. Letzteres ist tw. das „Neue“, weil es nun Jahrzehnte verspätet (im Vergleich zu den Gliedkirchen der EKD usw.) in traditionellen Gemeindeformen, Gemeinschaften und Freikirchen meistens ungeprüft Einzug gehalten hat.

Entsprechend begründete Erwiderungen (oder auch Bestätigungen) zu diesem Trend der Auflösung des klassischen Schriftprinzips in konservativ-theologischen Gemeinden sind nach meiner Einschätzung auf vielen Kanälen der Lehrvermittlung bis zur Basis der Ortsgemeinden zu geben. Die klassischen Antworten im Bekenntnisgewand allein führen leider nicht weiter. Die entsprechenden Inhalte müssen vielmehr zeitgemäß, ohne inhaltliche Verzerrungen, neu und weise präsentiert werden. „Wir“ haben diesbezüglich viel zu tun. Es lohnt sich aber, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern aktiv für die „Sache“ einzustehen.

  1. Eine Hauptfrage zur Bibel überhaupt, die breit in allen Gemeinden erklärt und gelehrt werden muss:

(a) Was ist die Bibel (Autorität, Erkenntnisquelle, Offenbarungsurkunde der Mitteilungen Gottes, dazu Erkenntnistheorie in Kürze usw.)?

(b) Wie wird die Bibel ihrem Selbstanspruch gemäss sachgerecht ausgelegt und angewendet und wie nicht (Hermeneutik)?

Schnelle Antworten gibt es nicht. Gründliche Antworten jedoch strapazieren die Geduld vieler Zeitgenossen, die oft Fast-Food-Antworten wünschen. In diesem Dilemma müssen gute, weise, belastbare, gut begründete Antworten gegeben werden, auch in der Reaktion auf „Weiterglauben“ & Co.

Es lohnt sich! Die Debatte ist eröffnet! Nutzen wir alle Gelegenheiten, die sich bieten, um mit zu diskutieren, aus Liebe zu den Brüdern und Schwestern und zu den Gemeinden, die Orientierung bitter nötig haben.

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