Die Katastrophe der Ethisierung des christlichen Glaubens

Die seit dem 19. Jht. andauernde systematische „Ethisierung“ und „Moralisierung“ des christlichen Evangeliums auf protestantischer Seite führte im 19. Jht. und sie führt „heute“ wieder in vor-reformatorisches und unbiblisches Denken und Leben hinein, das dem christlichen Evangelium diametral widerspricht.

Der Imperativ des so oder so Handelnmüssens als einer individual-ethischen und sozial-ethischen Forderung (Gesetz) verdrängt den Indikativ des Gerechtwerdens ohne Werke aus reiner Gnade, aus Glauben in Bindung an Christus allein, wie die Bibel es als Wort Gottes offenbart (Evangelium).

Das Handeln (individual-ethisch, wie sozial-ethisch) folgt dem geschenkten neuen Sein/Wiedergeburt (Eph. 2,10; Joh. 15,5) als Frucht (Gal. 5,22), es begründet aber niemals das Sein (… das Christsein).

Das Bekenntnis zum auferstandenen Christus als dem HERRN und der Glaube an IHN führen zum Soteria-Heil (Joh. 3,16; Röm. 10,9.10), aus dem Werke des Glaubens und der Liebe als Frucht erwachsen (1Kor. 1,30; Joh. 15,5).

Die oft auf politische, ökologische und sozial-ethische Aktivität reduzierte Botschaft der sog. EKD-Kirchen, aber mittlerweile auch der post-evangelikalen, der ex-evangelikalen und der post-pietistischen Szene pervertiert das Christentum und macht aus ihm eine pagane, synkretistische, rein irdische „Heilsreligion“, die aber niemand braucht …


Streiten oder Nicht-Streiten, das ist hier die Frage! Wenn Christen unterschiedliche Auffassungen in der Lehre vertreten – muss dann alles schön brav harmonisiert werden, um niemanden auf den Schlappen zutreten ?

Jede Zeit, jede Epoche und jeder Kulturkreis, in denen sich Christen zurechtfinden und ihre Identität als „in Christus“ verwurzelt (Gal. 2,20) und „versiegelt mit dem Heiligen Geist“ ansehen dürfen, als sie an (das Evangelium von Jesus Christus) gläubig wurden (Eph. 1,13), fordern heraus. Auch das Leben als Christ in Mitteleuropa in den kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten des beginnenden 21. Jahrhunderts fordert heraus.

Die Herausforderungen führen dementsprechend auch zu (theologischen) Streitgesprächen, zu Kontroversen, die „Ross und Reiter“ benennen und Lehrunterschiede deutlich markieren, und die nicht einfach unter ferner Liefen als lapidare „Meinungsunterschiede“ harmonisiert werden können. Nicht selten geht es um mehr als nur um unterschiedliche, eher harmlos zu nennenden Auffassungen, bei denen jeder und jede nach „seiner/ ihrer Facon selig werden“ könnte. Es geht vielmehr um richtig oder falsch, um Wahrheit oder Irrtum, um „heilsnotwenig“ oder „nebensächlich“, um „affirmatio“ oder „damnatio“ (Confessio Augustana etc.).

Eine Kernfrage für die Neuzeit diesbezüglich stellte beispielsweise der einflussreiche liberale Theologe Ernst Troeltsch, als er auf sein berufliches Schaffen am Ende seines Lebens zurückblickte: Wie kann der christliche Wahrheitsanspruch in seiner für die Reformatoren unhintergehbaren Exklusivität glaubwürdig vertreten werden, wenn aus methodischen Gründen von einem aufklärerischen Rationalismus, Skeptizismus oder Agnostizismus anstelle (!!!) des offenbarungsgewissen Schriftprinzips ausgegangen wird?

Die Antwort, die Troeltsch damals gab, überzeugte mich und viele andere nicht. Vielmehr habe ich seit meinem Theologiestudium die Antwort auf Troeltschs Frage von meinem geschätzten Lehrer Reinhard Slenczka zu reflektieren gelernt, der die gleiche Frage wie Troeltsch an die Gegenwart stellte, der sie aber gänzlich anders und konträr zu Troeltsch beantwortete:

„Allein „das Wort Gottes heiliger Schrift“ bietet die notwendige inhaltliche Bestimmtheit, um zwischen Gotteswort und Menschenwort, Gotteserkenntnis und Gotteserfahrung, Christusbekenntnis und nachaufklärerischer Christologie, Opfer Christi oder Opfer der Christen, Rechtfertigung des Sünders oder Rechtfertigung der Sünde, Gottesvolk oder Volkskirche, Kirche und Politik, zwischen christlichem Glauben und Pluralismus vor Ort der Ökumene der christlichen Konfessionen, wie der Weltreligionen, sowie schließlich zwischen Doppeltem Ausgang der Weltgeschichte und Allversöhnung sorgsam genug „unterscheiden“ zu können, so dass die unauflösliche Differenz von Schöpfer und Geschöpf in allen diesen Themenbereichen gewahrt werden kann.“ (C. Bendrath, ThLZ 11-2002, 1211-1213).

Die Wahrheitsfrage des christlichen Glaubens, so wurde von Slenczka uns Studierenden in den Lehrveranstaltungen immer wieder plausibel vor Augen gestellt, kann und darf nicht durch subjektiven Geschmack, Zeitangepasstheit, Mehrheitsauffassungen der Epoche oder banale Zustimmungspopulismen entschieden werden.

Bereits bei seiner Antrittsvorlesung im Juli 1982 (vor nun fast 40 Jahren) in Erlangen über das Thema „Synode zwischen Wahrheit und Mehrheit“ (in: KuD 29 (1983), 66-81) wurde dieses zentrale Grundanliegen dieses lutherischen Systematikers deutlich. Mit einführenden und beschließenden Argumenten aus Luthers Disputation „De potestate concilii“ (WA 39 I) betonte Slenczka, dass Christus der tragende Grund und daher bleibender Maßstab sei und sein Wort (gemeint ist die Bibel), eben NICHT eine Mehrheits- oder Minderheitsauffassung, auch keine Überzeugung, die „heute“ eben besser in die Zeit passe und daher stattdessen gelte.

Für den Glauben als Christ samt seinem praktischen Gehorsam müsse nach diesen Kriterien unterschieden werden, ob Christus, der HERR, spricht oder ob er nicht spricht. Wenn ER gesprochen hat, so ist darauf zu vertrauen, so ist es anzunehmen und es gilt zu gehorchen. Hat ER nicht gesprochen, dann ist es nicht zu befolgen, gleich wenn Concilia (oder Professores und Kirchenfunktionäre) es fordern würden.

Mit solchen programmatischen Hinweisen auf Luther hat R. Slenczka wegweisend auf die Problemlage hingewiesen, die kirchenleitendes wie auch christlichen Verhalten auf Gemeindeebene herausfordert, die die Frage von Troeltsch zu beantworten sucht und die mit zwei Fragesätzen umschrieben werden kann:

  1. Aufgrund welcher Kriterien können (kirchenleitende, örtliche und synodale) Verantwortliche entscheiden, was im Blick auf die Lehre des christlichen Glaubens gilt und was nicht, auch dann, wenn die Probleme die evangelische Lehre nur am Rande tangieren?
  2. In welcher Form wird für solche Entscheidungsfindungsprozesse die Heilige Schrift als Maßstab herangezogen, nach welchen Kriterien wird sie ausgelegt?

Slenczka beruft sich dabei – typisch reformatorisch geprägt – auf die „Selbstevidenz des Schriftprinzips“. Dieses Verhalten wurde ihm u.a. als „monomythische Reduktion“ (Timm) oder als „simplifizierender Biblizismus höherer Ordnung“ kritisch vorgehalten, weil er die innerbiblische Textvielfalt ungerechtfertigt vereinheitliche und behaupte, es gäbe so etwas, wie verbindliche, „gesamtbiblisch-theologische Vorgaben“ (norma normans). Damit wäre wir bereits mitten im theologischen Streitgespräch angekommen rund um die Bibel, die Hermeneutik und die Kriteriologie für das, was christlicher Glaube inhaltlich ist und was nicht.

Auf Slenczka treffen diese oben erwähnten Urteile jedoch in dieser Zuspitzung gar nicht zu. Er unterscheidet sehr wohl zwischen der göttlichen Offenbarungstrinität als Selbsterschließung im exklusiven Medium des Wortes der Heiligen Schrift (theologische Unableitbarkeit der Rede von Gott), sieht aber sehr wohl auf der horizontalen Ebene die Relativität der Geistes-, Menschheits- und Traditionsgeschichte der verfassten Bibel (Menschenwort).

Die sorgsame Vermittlung dessen, was christlichen Glauben normativ inhaltlich und autoritativ umfasst (als Offenbarungswort durch den dreieinen Gott vermittelt) und wie man diesen Inhalt des Glaubens der Moderne gegenüber verantwortet (Kommunikation), will abgewogen und reflektiert sein. Auf einen konsequenterweise theologischen Streit unter den Kontrahenten muss man aus diesen Gründen gefasst sein, und der Streit muss auch geführt werden, weil es nicht lapidar nur um fromme Meinungsunterschiede geht, die schiedlich-friedlich bei Keks und Tee weltoffen erörtert werden könnten, sondern es in vielen Fällen um die Wahrheit geht, die mitunter die Existenz des Menschen zwischen (ewigem) Leben und (ewigem) Tod verortet.

In biblischer Sprache kann man diesen skizzierten Sachverhalt anhand der paulinischen Briefe illustrieren:

Paulus kann einen Philipperbrief schreiben, kann die Christen dort in der Stadt loben und ermahnen und schließlich zur Freude an Christus aufrufen, dabei relativ gleichmütig und irenisch sogar die Freiheit der Verkündigung auf unterschiedlich motivierte Art zugestehen (Phil. 1,15-20).

Er kann aber auch an die Korinther schreiben, die in sehr vielen lehrmäßigen und ethischen Fragestellungen ziemlich verirrt und durcheinandergeraten sind, die er wie ein Vater seine Kinder zurechtweisen und zurückbringen will, weil er sie liebt und sucht (1Kor. 4,14-21; vgl. 2Kor. 12,14-17).

Und er kann dann allerdings auch einen Galaterbrief schreiben, ohne Gruß, ohne Kompromiss, ohne Zugeständnisse an die Empfänger, auch ohne nur den geringsten Zweifel, dass hier bei den Adressaten das gesamte Evangelium, der ganze Christus, Leben und Tod auf dem Spiel stehen (Gal. 1,6-9; vgl. 2Kor. 11,3-4).

Diese Illustration der Paulusbriefe in Verbindung mit dem Davorgesagten sollte uns alle daran erinnern, dass es im „Kampf“ des christlichen Glaubens in der Welt (stoicheia tou kosmou) nicht um „ständige Harmonie“ gehen kann, die wir dann irgendwie fromm tarnen, so dass wir es „Liebe“ nennen. Die Wahrheit verbietet das (1Kor. 13).

Klar, Lieblosigkeit wäre nie eine Alternative. Es muss inhaltlich aufrichtig gestritten werden unter denen, die Christus als HERRN und Gott als ihren Vater bekennen, auch um theologische Positionen muss gestritten werden, die eben nicht einfach nur „nebensächliche Differenzierungen“ sein können, sondern die mitunter solider Irrtum, handfeste Verführung oder ein „anderes Evangelium“ verkörpern.

Wer dies ignoriert, verrät das Evangelium Jesu Christi. Darauf hat Slenczka immer wieder mit Nachdruck hingewiesen, da es nicht um persönlichen Geschmack, um populäre Mehrheitsmeinungen oder um subjektive Attraktivität der Botschaft „heute“ geht, sondern um Wahrheit im Unterschied zum Irrtum.

Wer daher unterstellt, diejenigen, die um die Wahrheit ringen, auch öffentlich, seien letztlich nur von „Angst besetzt“, unfrei, unfähig zum Dialog, starr in ihren liebgewonnen „Traditionen“ angesichts der vielen „tollen Innovationen“ in Lehre und Ethik der modernen Gegenwart, der hat (noch) nicht begriffen, was z.B. der Galaterbrief usw. betonen wollte.

Streit oder Nicht-Streit (als qualifizierte Disputation wohlgemerkt, nicht als Gezänk!), das ist eben nicht die Frage. Beides kommt vor, je nach dem, was gefordert ist.

„Haltet Frieden mit jedermann“, tut Gutes, insbesondere den Glaubensgenossen (Röm. 12,17.18; vgl. Röm. 14,19; Gal. 6,9-10), klar, solche Imperative bleiben für Christen stets gültig, zu jeder Zeit. Doch zugleich gilt auch, dass ein falsches Evangelium, ein falscher Christus, eine falsche Rechtfertigung, eine falsche Ethik nicht harmonisierend einfach als Meinungsverschiedenheiten bagatellisiert werden dürfen, wer auch immer die Person ist, die sie vertritt.

Ob heute unter Christen die aktuelle Reaktion ähnlich wie im Philipperbrief oder wie in den Korintherbriefen oder wie im Galaterbrief in der „heutigen „Situation angesagt ist, das ergibt sich aus der Situation und hinsichtlich der Inhalte, um die es sich jeweils dreht.

Bleiben wir alle fröhlich in IHM, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.


Mal wieder dringend nötig: „Der gute Kampf des Glaubens um die Bibel“

Ja, „alle Jahre wieder“, könnte man sagen, der „gute Kampf des Glaubens um die Bibel“ ist Mal wieder dringend geboten oder sogar überfällig.  Der martialisch klingende Begriff „Kampf“ ist natürlich als Bild gemeint. Damit ist nicht gemeint, wir Christen sollten irgendwie physisch kämpfen. Das ist Quatsch. Es geht viel mehr um das klassische Streitgespräch, die sogenannte disputatio als einer altehrwürdigen akademischen Disziplin, um dadurch philosophische oder theologische Sachfragen zu klären. Um diesen Kampf geht es mir. Der muss wieder einmal mehr geführt werden. Warum? Weil die Unklarheiten in Fragen rund um die Bibel und rund um die sachgerchte Bibelauslegung eklatant zunehmen auf der Basis der Gemeinden und unter Christen. Deshalb hier nun ein paar Thesen zum Weiterdenken:

  1. Das Fragen „Was ist die Bibel?“ und „Wie legen wir die Bibel sachgerecht aus?“ MÜSSEN prominent auf kleinen und großen Tagesordnungen von Gemeindebünden, Gemeinden und Kirchen stehen. Das ist gegenwärtig wieder ein unaufgebbares „MUSS“.
  2. ABER: Auf vergangene Bekenntnisse – konfessionell überwiegend gerade nicht liberal-theologischer Gruppierungen und Konzile – können „wir“ uns in solchen Bibelfragen heutzutage für die Ortsgemeinden kaum noch berufen. Denn kaum ein Gemeindeglied hat einen Bezug zu „Bekenntnissen“ oder „Theologischen Erklärungen“, weder zu klassischen (außer vielleicht zum Apostolikum), noch zu modernen (Barmen, CE I-III usw.). Da muss stattdessen u.a. das Motto angestrebt werden: „Was du von deinen Vätern ererbt, erwirb es, um es zu besitzen.“ Das bedeutet, dass das ABC der Schriftlehre neu vermittelt und neu in der gegenwärtigen Generation erläutert werden muss, damit die Geschwister es sich erstmals/ neu eigenständig aneignen, um es dann auch eigenständig ihr eigen nennen zu können.
  3. Die Mit-Christen in Landes- und Freikirchen und Gemeinschaften mit dem Geburtstag nach ca. 1980 müssen nach meiner Einschätzung erst einmal „neu/ erstmalig“ vermittelt bekommen, worum die „Väter“ in der Bibelfrage seit Jahrhunderten immer wieder gerungen haben, um der Wahrheit Gottes treu zu bleiben. Dafür haben in postmodern geprägten „Gehirnen der gefühlten Relativität“ kaum noch Geschwister eine Antenne, geschweige denn Herz und Verstand, darum ernsthaft zu ringen. Da muss dringend an einer Veränderungen des Denkens gearbeitet werden.
  4. Konsequenzen aus 1. bis 3.: Der Ortsgemeinde und vielen Mit-Christen muss erst einmal (oft erstmals!) erklärt werden, warum das (oft wieder notwendigerweise erbittert geführte) Ringen um die Bibel nicht altbackenes Theologengezänk ist, sondern dass es notwendig ist um der geistlichen Gesundheit von Christen und Gemeinden Willen.
  5. Die gegenwärtige unter protestantisch Konservativen eingesickerte Relativierung oder Aufhebung des Schriftprinzips (vgl. z.B. Worthausvorträge, das Buch von Thorsten Dietz, die Herausforderungen im FeG-Bund (Jungfrauengeburt usw.), der Richtungsstreit um die Art der Schriftauslegung in fast allen pietistischen Gemeinschaftskreisen, in fast allen Freikirchen und namenlosen „Neugründungsbewegungen“) verdeutlichen, dass wir es hier mit der Spitze eines theologisch höchst relevanten Eisbergs zu tun haben, an dem Gemeindebünde, Konfessionen, Gemeinden und Einzelne dem Schicksal der Titanic zum Opfer fallen könnten (vgl. die Sieben Sendschreibengemeinden in Offb. 2-3). Arbeiten wir daran mit, auch durch Beten und Flehen zu Gott, dass das „Titanic-Schicksal“ möglichst wenige Gemeinden erleiden müssen. Der Kampf um die Bibel und um ihre sachgerechte Auslegung sind zentrale Anliegen eines mündigen Christentum.
  6. Es ist gut, dass diese aktuell entbrannten Debatten um die Bibel nun wieder (mehr oder weniger) öffentlich geführt werden, auch von Thorsten Dietz, Markus Till und mittlerweile vielen anderen. Danke! Das ist gut! Raus aus den verborgenen Nischen!

Nun kommt es aber darauf an, weise und kompetent zu agieren und zu reagieren. Wenn fromme Gemeinden oft keine Ahnung mehr haben, was am Thema „Unfehlbarkeit der Schrift“ so wichtig ist oder am Begriff „irrtumslos“ oder dem der „Bibeltreue“, dann müssen „wir alle“, die es besser wissen,  Grundlagenarbeit betreiben, die Antennen der Gläubigen wieder auf solche Themen auszurichten. Dazu braucht es Einfühlungsvermögen, Weisheit, theologische Kompetenz und gut begründete, leicht verständliche Antworten. Es geht letztlich um Mündigkeit möglichst vieler, auch in Fragen der Bibel. Und dafür müssen Mit-Christen erst einmal wieder sensibilisiert und positiv motiviert und gewonnen werden. Denn voraussetzen kann man m.E. gar nichts mehr.

Wenn dann jedoch die Fraktion der „Bibeltreuen“ unweise argumentiert oder gar keine sachlichen Gründe für ihre Position vorbringt, verliert sie die unerfahrenen und noch suchenden Mit-Christen, die sich oftmals noch gar nicht positioniert haben, wahrscheinlich weil sie bisher  nicht oder nur unzureichend in Bibelfragen unterwiesen und geschult worden sind. Das gilt es zu vermeiden.

  1. Mein Plädoyer: „Wir“ müssen klar und einfach und begründet wichtige Leitbegriffe zur Bibelfrage neu, zeitgemäß und plausibel öffentlich erklären, ganz egal, wieviele Bekenntnisse es zur Schriftfrage schon gab und gibt. Diese kennt keiner mehr unter denen, die wir „gewinnen“ bzw. die wir „nicht verlieren“ wollen.

Lei(t)dfragen:

Was bedeutet „irrtumslos“, was nicht“?

Was bedeutet die Inspirationslehre, was nicht?

Was ist die Bibel, was ist sie nicht?

Was ist Wort Gottes und was ist es nicht?

Woher wissen wir etwas über Gott (Offenbarung, Selbstmitteilung Gottes usw.) und was kann nicht über Gott ausgesagt werden?

Wie ist das Verhältnis von Bibel und Jesus Christus zu erklären, wie nicht?

Welche innerbiblisch abgeleiteten Regeln zur Schriftauslegung gilt es zu beherzigen, welche warum nicht?

Solche simplen Fragen sind im Blick auf ihre Beantwortung weitgehend unklar in vielen Gemeinden, weil dort oft eher ein spirituell-emotionaler Pragmatismus oder Aktionismus vorherrscht, der selten über die„Grundlagen“ des Glaubens Rechenschaft ablegen muss oder will.

Solche Fragen müssen jedoch gestellt und einfach verständlich erklärt und beantwortet werden. Viele aktuell populär argumentierende Publikationen (Worthaus, Thorsten Dietz und v.a. tun das) stellen solche Fragen und beantworten sie teilweise mit Antworten, die bereits seit 230 Jahren in der akademischen Theologie kursieren und die immer weiter differenziert  wurden, heutzutage nun in Kombination mit traditionell eher konservativen Antworten zur Hl. Schrift. Letzteres ist tw. das „Neue“, weil es nun Jahrzehnte verspätet (im Vergleich zu den Gliedkirchen der EKD usw.) in traditionellen Gemeindeformen, Gemeinschaften und Freikirchen meistens ungeprüft Einzug gehalten hat.

Entsprechend begründete Erwiderungen (oder auch Bestätigungen) zu diesem Trend der Auflösung des klassischen Schriftprinzips in konservativ-theologischen Gemeinden sind nach meiner Einschätzung auf vielen Kanälen der Lehrvermittlung bis zur Basis der Ortsgemeinden zu geben. Die klassischen Antworten im Bekenntnisgewand allein führen leider nicht weiter. Die entsprechenden Inhalte müssen vielmehr zeitgemäß, ohne inhaltliche Verzerrungen, neu und weise präsentiert werden. „Wir“ haben diesbezüglich viel zu tun. Es lohnt sich aber, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern aktiv für die „Sache“ einzustehen.

  1. Eine Hauptfrage zur Bibel überhaupt, die breit in allen Gemeinden erklärt und gelehrt werden muss:

(a) Was ist die Bibel (Autorität, Erkenntnisquelle, Offenbarungsurkunde der Mitteilungen Gottes, dazu Erkenntnistheorie in Kürze usw.)?

(b) Wie wird die Bibel ihrem Selbstanspruch gemäss sachgerecht ausgelegt und angewendet und wie nicht (Hermeneutik)?

Schnelle Antworten gibt es nicht. Gründliche Antworten jedoch strapazieren die Geduld vieler Zeitgenossen, die oft Fast-Food-Antworten wünschen. In diesem Dilemma müssen gute, weise, belastbare, gut begründete Antworten gegeben werden, auch in der Reaktion auf „Weiterglauben“ & Co.

Es lohnt sich! Die Debatte ist eröffnet! Nutzen wir alle Gelegenheiten, die sich bieten, um mit zu diskutieren, aus Liebe zu den Brüdern und Schwestern und zu den Gemeinden, die Orientierung bitter nötig haben.


Erwählung und Gnade vs. freier Wille? Eine Antwort!

Hilfreich sind gewisse Analogien aus der Physik sicherlich, um dieses uralte theologische Problem (Erwählung/ Prädestination Gottes vs. freier/ unfreier Wille beim Menschen) zu lösen, z.B. solche Vergleiche und Verständnishilfen aus der Quantenmechanik (Lokation und Nichtzugreifbarkeit), aus der Licht-Wellen-Analogie (Komplementarität) oder aus der Perspektivität (Gleichzeitigkeit), also aus Gottes Sicht (Erwählung) und aus des Menschen Sicht (Willensentscheidung).

Doch hinreichend sind solche Vergleiche alle nicht.

Seit Jahren habe ich wahrscheinlich (fast) alle theologiegeschichtlich relevanten und auch philosophischen Antworten zum Thema studiert, analysiert, rezipiert und abgewogen. Die Antwort, die mir einleuchtet, die die biblische Offenbarung nahelegt, lässt sich in Worten kurz zusammenfassen, auch wenn es im Detail darum gehen muss, biblisch untermauert, gedanklich plausibilisiert, das Ganze präzise zu entfalten. Letzteres kann ic h hier jetzt nicht leisten. Wenn ich Mal Zeit finde, wird das dann ein Buch zum Thema, für andere zur Verständnishilfe oder zum konstruktiv-kritischen Weiterstudium. In Kürze soviel:

Die biblische Offenbarung ist klar.

  1. Der natürliche Mensch im status corruptionis ist geistlich tot (Eph. 2,1ff. u.ö.). Wer so tot ist, der hat keinerlei Möglichkeit, aus sich heraus, Gott zu nähern oder irgendetwas zu entscheiden hinsichtlich „seines“ Heils“ bzw. „seiner“ Rettung aus der Verlorenheit. Im Blick auf Gott und auf das zu ergreifende Heil ist jeder Mensch unfrei, tot, mit einem geknechteten Willen ausgestattet, nie mit einem freien Willen. Das einzige Wesen, das von Natur aus einen freien Willen hat, ist Gott.
  2. Dann gibt es die Fülle an biblischen Erwählungs- und Vorherbestimmungsaussagen, die jede einzeln im Kontext der Schrift exegetisiert werden müssen, auch solche Kardinalstellen, wie Römer 9, einer Stelle, die primär die Souveränität Gottes im Blick auf das Bundesvolk Israel auslotet (im Literalsinn Jakob – Esau).

Andere Erwählungsaussagen der Heiligen Schrift, die eindeutig Gottes alleiniges Entscheiden und Tun charakterisieren, gilt es ebenfalls im Kontext auszulegen. Der Mensch und sein Reagieren jedenfalls spielen darin aktiv keinerlei Rolle.

  1. Dann finden wir im NT (und nur dieses ist in diesem Bereich relevant) eine Menge Imperative, also Aufffoprderung etwas zu tun oder zu reagieren: „Glaube nur, glaube jetzt!“, „Tut Buße!“, „Kehret um!“, „Verlasse!“ Diese Aufforderungen werden auch gerade Ungläubigen zugerufen im Verkündigungszusammenhang. Ein Imperativ macht jedoch nur dann Sinn, wenn das Befohlene auch vom Adressierten ausgeführt werden kann. Die Adressierten aber sind tot, sie können gar nicht reagieren und auch den Befehl nicht umsetzen. Sie haben ja keinen freien Willen (siehe Punkt 1.). Hier liegt das Dilemma. Kein natürlicher Mensch kann von sich aus mit seiner Aktion auf die Anrufung aus sich heraus reagieren. Keiner. Und die theologische Lösung, dass eben nur die Prädestinierten auf das Evangelium reagieren könnten, ist nirgends von der Schrift her abgedeckt. Die Lehre von der „Limited Atonement“ ist zudem eine schreckliche Verzerrung des biblischen Zeugnisses. Das Heil Christi gilt universal (2Kor. 5,19 u.ö.) für alle (objektiv), realisiert sich allerdings nicht universal, sondern partikular nur bei denen, die glauben (subjektiv durch Gnade gewirkt).
  2. Hier nun liegt das theologische Dilemma: wie kommt jemand zum Glauben an das Evangelium, um gerettet zu werden (Röm. 10,9-11 u.ö.), wenn er doch geistlich tot ist, unfähig von sich aus zu reagieren, und er von Natur aus keinen freien Willen hat?
  3. Die Lösung der Schrift liegt im Wirken des kraftvollen „Wortes“ allein. Das Wort Gottes hat die Kraft, Tote zum Leben zu erwecken. Siehe als Typus Lazarus, der schon im Verwesungszustand im Grab lag. Wie konnte er lebendig werden? Durch das machtvolle Wort Jesu allein. Lazarus konnte weder natürlich hören, seinen Willen äußern oder reagieren. Das Wort allein ließ ihn herauskommen aus dem Tod.

So ist es auch im übertragenen Sinn bei jedem Menschen, der geistlich tot und im Willen geknechtet ist. Das Wort allein macht es.

  1. Die biblische Antwort auf das genannte Dilemma spiegelt sich in Narrativen wider, wie z.B. in Apg. 2,37-41 („da ging es ihnen durchs Herz“) oder in Apg. 16,14 („der tat der Herr das Herz auf, dass sie achthatte auf das, was von Paulus gesagt wurde“).

Punktuell im Verkündigungsvorgang wird der Tote also demnach kurzfristig (!) zum Hören befähigt, um das Wort zu begreifen und ggfs. mit Glauben zu antworten. Entscheiden kann der Tote dabei aber nichts. Er „vertraut“ (fides qua creditur) in dieser durch das Wort eröffneten Situation oder er tut es nicht. Tut er es nicht, bleibt er schlicht und einfach im Tode, dort in dem Zustand, wo er zuvor auch schon gewesen war. Nur in diesem kurzen, vom Wort Gottes kurzfristig eröffneten „Fenster“ ist es dem Sünder möglich durch Gnade, eine Glaubens-Antwort auf den Imperativ in der Verkündigung zu geben (vgl. Röm. 10,1-17 usw.). Nur in diesem Zeitfenster! Ist diese punktuelle Situation vorbei, schließt sich die Möglichkeit wieder, dem Rufer (Gott) durch das ihn getroffene Wort Gottes eine Glaubensantwort zu geben. Der tote Mensch bleibt dann wo und wie er normalerweise eben ist, geknechtet, unfrei, tot, im status corruptionis. An seiner Natur ändert sich nichts.

  1. Der natürliche Mensch hat keinen freien Willen, zu Gott zu kommen oder das Heil zu ergreifen oder es zu suchen. Er hat eine zeitlich punktuelle Möglichkeit, dem machtvollen Wort, das ihn im Herz (Personenzentrum) trifft, Glaubensgehorsam entgegenzubringen (Röm. 1,5). Dieser „hörfähig gemachte“ Zustand existiert aber immer nur zeitlich begrenzt dann, wenn das Evangelium bzw. das Wort Gottes von Mal zu Mal einen Verlorenen mit Dynamis (Kraft) erreicht (Röm. 1,16f.). Eine subjektive Antwort des Glaubensgehorsams auf das objektiv universal gültige Versöhnungswerk Christi wird durch Gnade gewirkt (Eph. 2,8-10 u.ö.).

Apologetik – ein Gesundheitsmittel für Christen und Ortsgemeinden

Kürzlich diskutierten wir auf Facebook über die Möglichkeit oder die Notwendigkeit einer „Apologetik-Offensive“ unter allen, die mit Freude und mit ernst Christen sein wollen. Dieses Thema ist jedenfalls auch mein Anliegen. Daran möchte ich gerne mitwirken. Ich bin dafür!

Herausforderungen:

  1. Seit Jahren beobachte ich den Trend unter frommen Ortsgemeinden in ganz Deurschland, dass „Lehre“ im Sinne von „biblische Dogmatik für alle Christen“ kein begehrter Renner ist, sondern eher als unnötig abgelehnt wird. Stattdessen stehen emotionale Erbauung, erfahrungsgeleitete Praxisthemen, schnelle Umsetzung von praktikablen Ideen für Gemeindeaufbau und Evangelisation hoch im Kurs.
  2. Da Lehre aber die Grundlage von jeder Praxis ist (was oft gar nicht wahrgenommen wird), die jedoch unterernährt für wenige Interessierte der Gemeinde vor sich hin dümpelt, ist die Notwendigkeit für Apologetik fast gar nicht auf dem Schirm, wenn man überhaupt unter Gemeindeleitungen erkannt hat, wie wichtig Apologetik für gesundes Gemeindeleben ist.
  3. Eine Internet-Plattform usw. mit apologetischen Themen reicht daher nichts aus. Was „wir“ brauchen sind engagierte Christen, die vor Ort in den Gemeinden konstruktiv Lehre und Apologetik als „Gesundheitsmittel“ hoch halten. Dazu braucht es gut aufbereitete Infos von Webseiten und aus guter Literatur.
  4. Das reicht aber letztlich jedoch auch noch nicht aus. Im Grunde muss irgendwie eine ansprechende Plattform installiert werden, die wie Worthaus, Hartl & Co. die Kommunikationswege nutzt, die „heute“ gerne genutzt werden:

(a) Internetportal mit Videovorträgen zur Lehre und apologetischen Themen, die didaktisch, inhaltlich und kommunikativ hervorragend sein müssen! Außerdem bodenständig simpel verständlich, locker in der Präsentation, tiefgreifend in der inhaltlichen Substanz.

(b) Diese Vorträge sollten unter einem wiedererkennbaren „Label“ gehalten werden (siehe US-amerikanische Vorbilder, auch teilweise bei Worthaus etc.), auch vor Publikum. Die Themen müssten im Laufe von Monaten viele zentral-relevante Themen abdecken.

(c) Dazu „trockene“ Literatur zu den entsprechenden Themen und Internet-Info-Seiten, um Christen vor Ort mit „guten Inputs“ zu unterstützen.

(d) Ein Netzwerk von Vortragsrednern „installieren“, die Serien von Themen vorbereiten und halten, als You-Tube-Videos aufbereiten und streuen. Bekanntheitsgrad gezielt steigern mit allen Mitteln, die sinnvoll sind. Stichwort: Multiplikation! Das geht nicht von heute auf morgen, wird also ca. 3-4 Jahre dauern. Aber so war es auch bei aktuellen Influencern, wie Worthaus, Hartl und duzenden US-amerikanischen Pendants, die so eine breitere Empfängergruppe adressieren können. Diese genannten wurden zur „Marke“, die verblüffend großen Einfluss hat. Deren Kommunikations-Wege sollte kopiert werden, sofern Christen dadurch breit erreicht werden können, was Ortsgemeinden und Ausbildungsstätten längst nicht (mehr) hinbekommen, und was durch lokale Konferenzen auch nicht (alleine) geleistet werden kann. Konferenzen erreichen 200-500 Leute. Amerikanische Seiten, Worthaus oder Hartl & Co. beispielsweise vergleichsweise viel mehr, bis hin zu 10.000enden!

(e) Vieles sollte daher m.E. unter Gleichgesinnten vernetzt werden. Damit könnte auf vielfältige Art und Weise das Ziel angepeilt werden, in der Lehre breit und biblisch gesund zu unterweisen und apologetische Grundlagen zu legen, die als „Gesundheitsmittel“ notwendig sind.

Das wäre in aller Kürze meine „Vision“ für ein konstruktives Vorgehen in den genannten Bereichen. Wahrscheinlich müsste man sich aber in „Echtzeit“ und als Personen an einem Ort trefffen und ausloten, was da wie gehen und umgesetzt werden könnte. „Aufstehen“ und im Kleinen treu agieren, darum wird es gehen.

 


Wie Christen lernen, Muslimen zu begegnen

Wir Christen in Deutschland scheinen gegenwärtig u.a. ein brennendes Problem zu haben: Wir haben – laut einer statistischen Umfrage von 2015 – „Angst“ vor Muslimen bzw. vor der „Islamisierung“ Deutschlands. 60 % der evangelisch-freikirchlich organisierten Christen scheinen davon vereinnahmt zu sein, mehr als der bundesdeutsche Durchschnitt von ca. 49 %. Ohne Frage, Angst darf man nie unterdrücken oder leichtfertig als unerlaubt abqualifizieren. Doch Angst ist auch nie ein guter Ratgeber, um eine Herausforderung oder ein erkanntes „Problem“ zu lösen.

Eine Webseite vom „Team Bibel und Koran“ hilft Christen, in der Begegnung mit Muslimen gut und richtig vorzugehen, um echte Beziehungen aufzubauen und ein gutes Zeugnis für Jesus zu sein. Dort finden sich hervorragende Videos, kurz und aussagestark, respektvoll und informativ, wie Christen sich Muslimen gegenüber verhalten sollten, was sie über den Islam wie verstehen lernen sollten, wie Begegnungen gelingen können usw. Wirklich ganz hervorragend konzipiert und ansprechend präsentiert, ganz im Sinne des Apostels Paulus in 1Kor. 9,19-27.

Die YouTube-Videos vom „Team Bibel und Koran“ (und nur diese!) lege ich allen FB-Freunden sehr ans Herzen, insbesondere für den Umgang mit Muslimen, die in Eure Gegend ziehen und die Euch bekannt werden.

http://bibelundkoran.com/

Zum Einstieg empfehle ich das Video „30 Kulturtipps in 3 Minuten“ (https://www.youtube.com/watch?v=kpCx0i6P9-Q). Doch alle anderen Videos sind ebenso gewinnbringend und motivierend, auf dass eine kulturübergreifende Kommunikation im Sinne des Pauluswortes gelingen kann.


“Will die Exegese bei ihrem Leisten bleiben, muss sie selbst gott-los sein.”

“Will die Exegese bei ihrem Leisten bleiben, muss sie selbst gott-los sein.”
Anbei einige “Zitate der Woche” für mich aus dem Buch von Ulrich Wilckens, Kritik der Bibelkritik. Wie die Bibel wieder zur Heiligen Schrift werden kann, 2. Aufl., Neukirchen 2014.
Beim Studieren fand ich kürzlich auch Mal wieder die mir schon bei der Erstlektüre aufgefallenen, markanten Worte aus der Feder von Ulrich Wilckens, einem emeritierten Theologieprofessor für Neues Testament. Schon die “Einleitung” (S. 11-14) spricht Bände. 
“In diesem Buch soll der Versuch unternommen werden, die historische Bibelkritik ihrerseits einer Kritik zu unterziehen. Das soll nicht heißen, sie insgesamt abzulehnen.” Wir sehen hier seine Grundentscheidungen.
Und in seinen einleitenden Sätzen fasst dann Wilckens prägnant zusammen, was gegenwärtig den Stand und den Zustand der wissenschaftlichen Bibelexegese (primär an deutschsprachigen theologischen Fakultäten) kennzeichnet. Er “beschreibt” das, was er vorfindet, er fasst zusammen, was allgemein als gültig vertreten wird. Seine eigene Bewertung dazu kommt dann meistens später im Buch oder erscheint in kommentierenden Zwischenbemerkungen. Zuerst also seine Darstellung des mentalen status quo akademisch-exegetischer Bibelwissenschaften, als einem unhinterfragbaren Selbstverständnis der „zünftigen Theologie“ bzw. der biblischen Exegese:
“Historisch-kritische Exegese (…) sieht die Bibel nicht als Heilige Schrift, sondern als Sammlung urchristlicher Schriften und diese als Produkte von Menschen aus der Vergangenheit der Anfänge des Christentums …” (S. 11)
“Für historische Exegese kann es nur darum gehen, das jeweilige Gottesverständnis herauszustellen, das in der Rede von Gott in den verschiedenen biblischen Schriften zu erkennen ist; die Unterschiede und auch Gegensätze zueinander in Beziehung zu bringen und zu zeigen, dass es ihnen allen um Gott zu tun war, jedem freilich in seiner Weise. Aber für sich selbst aus den biblischen Texten Gott zu vernehmen, überschreitet, so urteilt man, die der Exegese gesetzten Grenzen. (…) Will die Exegese bei ihren Leisten bleiben, muss sie selbst gott-los sein. Sobald sie sich mit einer eigenen Theo-logie in den Strudel der nebeneinanderstehenden oder einander befehdenden Theo-logien im Urchristentum selbst einmischt, wird sie ihre ihr vorgeschriebene historische Neutralität verlieren und das Bild der Geschichte der Urchristenheit in aller Regel verzeichnen” (S. 12).
“Da historisch-kritische Exegese ein Unternehmen der Vernunft ist, kann sie selbst nicht ‘theo-logisch’ sein.” (S. 13)
Wilckens skizziert dann die Konsequenzen dieses Denkens und der un-theologischen, gott-losen Exegese als einer “historische Wissenschaft”, dass es für die akademische Bibelexegese dementsprechend keine Wahrheit und keinen Gott ursächlich hinter den Texten geben könne oder diese irgendwie dahinter anzunehmen seien, weil dort eben nur menschliche Lehren, Ideen, Vorstellungen und Vorgänge zu finden seien, und diese rein menschlichen Vorstellungen weitgehend “nach heutiger vernünftiger Auffassung keine Wirklichkeit” (S. 13) beschreiben.
Einigermaßen verstanden, um was es geht? Na dann, rein ins Getümmel, in das Ringen um eine sachgerechte Bibelexegese und Auslegung der Schrift. In Deutschland sind die Debatten oftmals ganz anders zu führen als im Angelsächsischen oder im Nordamerikanischen. Es gibt in diesem Bereich für an der Bibel als Wort Gottes orientierten Christen noch viel zu tun und aufzuarbeiten. 
Wer jedoch diese “Grundlagendebatte” nicht – auch für sich – gründlich klärt und auch die entscheidenden Argumente der Debatte nicht kennt und ggfs. nicht sachgerecht darauf antworten kann, die Wilckens hier zu Recht Mal wieder in Erinnerung ruft, der wird kaum Gehör finden bei denen, die die Auslegungsmehrheitsmeinung in der (akademischen) Bibelexegese vorgeben. Die fromm klingende, aber mich nicht überzeugende Antwort „Macht nichts. Die Theologen sollen machen, was sie wollen. Ich als Christ lese einfach meine Bibel und glaube, was geschrieben steht“, ist ehrenwert, aber auch sehr gefährlich, weil die christliche Gemeinde durch eine solche „Ghetto-Theologie“ keinerlei apologetische Kraft und kein Selbstbewusstsein bewahren kann, weder für die gegenwärtigen, noch für die zukünftigen Herausforderungen.
Auf die (theologischen und methodischen) Schwächen des Buches von Wilckens, seine defizitären Lösungsansätze am Ende des Buches usw., will ich jetzt nicht eingehen. Doch auf die Problemstellung will ich hiermit gerne als Erinnerung hinweisen, damit “wir” Christen nicht immer und immer wieder scheinbar aus allen Wolken fallen, wenn Urteile und Teilergebnisse dieser mehrheitlich praktizierten akademischen Bibelexegese auf populärer Ebene bekannt werden und dann viele “Leserbriefschreiber” sich entrüsten und “Feuer und Schwefel” vom Himmel wünschen als sei nun der Zeitpunkt des Antichristen angekommen, wenn „so“ oder „so“ die “Bibel” in ihren Aussagen nicht mehr gelten gelassen werde usw. Die Reaktionen sind oftmals vermeidbares Zeugnis der Ahnungslosigkeit und der Ignoranz, was in der (weltweiten) Theologie und Bibelexegese gedacht und vorgetragen wird.
Auf der Gemeindeebene ist m.E. viel zu wenig bekannt, WAS inhaltlich die historisch-exegetischen Ergebnisse der gegenwärtigen wissenschaftlichen Bibelexegese (seit ca. 250 Jahren) für jedes einzelne Bibelbuch des Kanon sind. Das bedauere ich sehr. Diese Uninformiertheit mag auch daran liegen, dass das Interesse an echter “theologischer Lehre”, an “Apologetik”, an “rationaler Auseinandersetzung” mit bibelkritischen Meinungen kaum mehr gefördert, kaum mehr gewollt und kaum mehr als “Kunstfertigkeit” unter den den Lehrern der Gemeinde gekonnt wird. 
Summa: Das Buch von Wilckens ist insgesamt geurteilt zu schwach, wenn man die Absicht der Überschrift wirklich ernstnimmt. Auch fehlt die entscheidende (erkenntnistheoretische und theologische) Begründung, wie man von den historisch gewordenen, kanonischen Bibelbüchern wieder zur Heiligen Schrift kommt (was Wilckens tun möchte) und dann aber auch der gedankliche Fortschritt, wie die “Selbstmitteilung und Offenbarung Gottes” und das “Wort Gottes” mit den „kanonisches Schriften“ zusammenkommen kann und muss. Eine entsprechende Publikation neueren Datums, das dem Titel dann in diesem Sinn auch voll gerecht werden würde und das die hier nur angedeuteten Defizite gründlich überwinden helfen würde, das muss noch geschrieben werden.

http://www.amazon.de/Kritik-Bibelkritik-wieder-Heiligen-Schrift/dp/3788726032


Wie viel sind wir wert?!

Gedankenimpuls zum Weiterdenken …

Im Alltag beschäftigt uns oft die Frage „Was kostet das?“ Wenn wir es wollen und uns leisten können – sofern wir es nützlich oder schön finden – kaufen wir es. Manchmal ist es uns aber auch zu teuer. Dann kaufen wir es nicht. Der Preis entscheidet, selbst dann, wenn wir uns die Sache ja grundsätzlich leisten könnten. Pfennigfuchser und Schnäppchenjäger gibt es außerdem immer und überall.

Es kommt ja auch zusätzlich darauf an, ob die Sache uns den Preis wert ist. Der Preis einer Sache und der Wert einer Sache sind bekanntlich verschieden. Für einen Sammler beispielsweise kann ein Kunstgegenstand, der vom Material her eigentlich nur ein paar Euro kosten dürfte, sehr viel wert sein. Der Kaufpreis ist dann entsprechend hoch. Für andere kann so ein hoher Kaufpreis dann völlig absurd und unsinnig erscheinen. Manch andere ziehen Qualität vor. Sie verzichten auf Billigware. Dann ist ihnen der höhere Kaufpreis das wert. Andere wiederum sehen das genau umgekehrt.

Uns ist ziemlich klar: Alles in der Welt hat seinen Preis. Es werden heutzutage sogar im großen Stil wieder Menschen gehandelt. Brutal und gewaltsam werden sie auf modernen Sklavenmärkten der Welt entmenschlicht und als Ware verkauft. Wir sind erschüttertwenn wir sehen, auch Menschen haben ihren Preis, ihren KaufpreisIhr Wert allerdings geht dort gegen Null. Sie werden entwürdigt und verdinglicht, sie werden verkauft und sie finden Käufer, die sie ebenfalls nur benutzen und missbrauchenGrausam und schrecklich ist das. Gott sei es geklagt!

Alles in der Welt hat seinen Preis. Sogar Jesus, der Sohn Gottes, hatte seinen Preis. Erinnern wir uns, wie viel Jesus damals den Menschen ‚wert’ war? Eine Summe, die genannt wurde, lautete „30 Silberlinge“.  Soviel wurde damals dem Judas als Prämie für die Auslieferung gezahlt. Ein „Silberling“ (Tyros-Schekel) entsprach einer heutigen Kaufkraft von ca. EUR 300,-, sagen die Fachleute. Dieser Judaslohn war also schon ein beträchtliches Sümmchen, kein Vermögen, aber auch nicht einfach nur Kleingeld. Man hätte damals – so sagt man – einen Esel dafür kaufen können. Der Kaufpreis eines Esels, das war Jesus dem Judas wert.Dennoch geringschätzig wenig bei einem verkauften Leben.

Das ist im Grunde nicht viel. Doch befürchte ich, dass Jesus den meisten Menschen heute selbst diese Summe nicht wert wäre. Das ist eine ziemlich traurige Rechnung.

Drehen wir daher die Sache doch einmal um und fragen: Wieviel sind wir Jesus wert? Haben auch wir Menschen einen ‚Preis’ bei Gott?

Ja, wir haben einen Preis, einen Kaufpreis. Dieser wurde auch bereits festgestellt, damals, als Jesus am Kreuz auf Golgatha starb. Wir sind dem Herrn Jesus so viel wert, dass es in Gold und Silber gar nicht auszudrücken ist. Darum hat er für jeden von uns mit seinem eigenen Leben bezahlt. Um uns für Gott frei zu kaufen, hat er sein kostbares Leben geopfert und sich für uns dahingegeben. Ja, so viel wert sind wir Gott, der selbst an unserer Stelle – weil wir das nie hätten selbst aufbringen können, um uns freizukaufen – diesen unverschämt hohen Kaufpreis für uns bezahlt hat!

Die Bibel bezeichnet diese für uns heute etwas merkwürdig anmutende ‚Kaufsache’ folgendermaßen – vergleichbar mit dem Freikauf auf dem Sklavenmarkt. Sie sagt: „Ihr seid teuer erkauft“ (1Korinther 6,20). Dieses „ihr“ bezeichnet die Menschen, die bisher ohne Gott dahinlebten. Ein höherer Kaufpreis wurde nie für jemanden oder etwas gezahltDenn die Bibel bezeichnet uns Menschen als solche, die versklavt sind, versklavt und unfrei und gefangen. Wie kann das sein? Nun, wir Menschen sind versklavt unter eine in uns wirksamen ‚Kraft’die uns dazu bringt und die wir – von uns aus zugestimmt – wirken lassenso dass wir immer und immer wieder das Böse tun müssen. Und selbst wenn ich es manchmal sogar weiß, was das Gute ist, das in einer Situation zu tun re, tue ich es meistens dennoch nicht. Wir Menschen sind versklavt und gefangen, den Willen Gottes und seine guten Gebote brechen und übertreten zu müssen. So charakterisiert uns Menschen das Wort GottesUnd das Schlimme ist zugleich: wir Menschen wollen das sogar so haben. Wir kommen einfach da nicht raus aus dem Teufelskreisanderen gegenüber gemein, neidisch, habsüchtig, gewaltsam, verletzend, lieblos, hinterhältig, lügnerisch, untreu, gottlos zu sein. Wir könnten uns noch so anstrengen, aus dieser den gesamten Menschen versklavenden Macht kommen wir doch nicht heraus. Und tragischer Weise wollen wir das auch gar nicht

Deshalb heißt es: „Ihr seid teuer erkauft“. Das bedeutet, dass da jemand aus seiner inneren Sklaverei, das Böse und Ungute denken, sprechen und tun zu müssen, herausgekauft wurde, um daraufhin befreit als geliebtes Kind in der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott ein neues Leben führen zu dürfen. Dieses neue Leben kennt Vergebung. Es bekommt immer wieder nach Versagen einen Neuanfang ermöglicht. Der Kaufpreis dafür war extrem und unvorstellbar hoch. Für jeden von uns. Der Kaufpreis betrug das Leben des Sohnes Gottes. So viel sind wir Jesus wert! So wertvoll ist jeder in den Augen Gottes. Das ist die Erlösung, das ist Befreiung von den Ketten der Sklaverei des Bösen in unsGlaubst Du das?

Wenn ich so darüber nachdenke, dann merke ich, dass hier etwas nicht so richtig stimmt. Jesus ist doch nicht nur den Kaufpreis eines Esels wert. Und wir – wir sind doch nicht so viel wert, dass der Sohn Gottes sein Leben dafür opfern musste. Wie ist das möglich?

Wer darüber nachdenkt, dem kann vielleicht aufgehen, was das bedeutet, wie es in einem älteren Kinderlied heißt: „Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen. Gott ist die Liebe, er liebt auch mich.“ Dann fängt man vielleicht an zu verstehen, wenn es im Johannesevangelium heißt: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern ewiges Leben haben“ (Joh. 3,16).

Dennoch – ein Gedanke zum Schluss. So wertvoll bin ich also in den Augen Gottes, dass ich Ihm den enorm hohen Kaufpreis wert war und durch Jesus teuer erkauft wurde. Der Kaufpreis ist bezahlt durch Jesu Tod am Kreuz. Seine Auferstehung von den Toten hat die Gültigkeit dieses Loskaufs eindrücklich bestätigt. Die mich fesselnden Ketten ssen abfallen, wenn ich mich dem Erlöser Jesus anvertraueMeine ganze Schuld, alles Böse, das je von mir ausgingund ausgehen wird, ist zugleich getilgt. Ich darf frei werden, frei, um mit Gott ein neues Leben zu leben.

Und doch geht es vielen Zeitgenossen so, dass sie das nicht kapieren wollen. Da war ein Teenager, der rannte einem älteren Mann hinterher und rief „Hallo, warten Sie!“ Dieser merkte schließlich etwas und drehte sich um und sah den Rufer auf sich zukommen. Wen meint der wohl?“ dachte der Mann. Er wollte weitergehen. Doch der junge Mann hatte ihn schließlich eingeholt. „Sie haben ihre Brieftasche verloren. Hier ist sie!“ Verdutzt erwiderte der ältere Herr: Ach, ich bin gemeint!“

Genauso, wie dem jungen Mann, geht es dem Wort Gottes mit uns. Es läuft uns nach seit wir geboren sind, seit wir Kinder und Jugendliche sind, bis ins hohe Alter hinein. Immerzu läuft es hinter uns her. Es will uns etwas Verlorenes wiederbringen, nämlich die teuer erkaufte Erlösung und den Frieden mit Gott. Doch viele machen es so, wie der ältere Herr. Wir hören das Wort Gottes rufen. Aber wir meinen, das ginge uns persönlich nichts an.

„Ihr seid teuer erkauft!“ ruft das Wort Gottes, das uns nachläuft und uns anruft. Und wenn das stimmt, dass wir teuer erkauft worden sind – und es stimmt! – dann ist etwas geschehen, das uns wirklich nicht gleichgültig lassen kann. Es geht uns ganz persönlich an. „Ihr seid teuer erkauft“, der Kaufpreis ist bezahlt. Der Freikauf ist vollbracht! Erlösung ist für jeden möglich

So viel also sind wir Jesus wert, dass er es wollte, dass wir befreit und erlöst leben können in der Gemeinschaft mit Gott. Glaubst Du das? Und: Willst Du das? 

 

Dr. Berthold Schwarz


Ist die Zeit wieder einmal reif für eine „Bekennende Kirche“?!

April 1945 – April 2015. Vor 70 Jahren geschahen Dinge, die in unserem kulturellen und individuellen Gedächtnis bleiben müssen. Der Widerstand der Bekennenden Kirche gehört mit dazu. Hier deshalb ein paar Gedanken aus meinem „Stillen Kämmerlein“.

Dietrich Bonhoeffer und die „Bekennende Kirche“ (BK) … vieles geht mir durch den Kopf, denke ich an diese Zeit oder an das Werk Bonhoeffers oder an das anderer Christen in diesen schrecklichen Tagen der nazionalsozialistischen Diktatur in Deutschland.

Außerdem war da die Bekennende Kirche – „das war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen, die sich gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) in der Zeit des Nationalsozialismus“ wehrte.

Wikipedia: „Die BK verstand sich seit ihrer Gründung im Mai 1934 als einzige rechtmäßige evangelische Kirche in Deutschland, indem sie den Nationalsozialismus und die Lehren der Deutschen Christen als unchristliche Irrlehren „verwarf“ (Barmer Theologische Erklärung 1934) und sich gegen staatliche und innerkirchliche Übergriffe auf das christliche Glaubensbekenntnis zur Wehr setzte. Sie schuf sich seit Oktober 1934 mit einem kirchlichen „Notrecht“ eigene Leitungs- und Verwaltungsstrukturen und grenzte ihre Organisation und Ausbildung damit von deutschchristlich geführten Landeskirchen ab (Kirchenkampf). Sie bildete aber keine einheitliche politische Opposition gegen das NS-Regime. Ihre Pfarrer blieben oft Bedienstete der jeweiligen Landeskirche (besonders in Württemberg, Bayern und Hannover).“

Viele gedenken in diesen April-Tagen an Dietrich Bonhoeffer und seinen 70. Todestag, 1945 – kurz vor Kriegsschluss – von den Nazis ermordert. Vielleicht denken wir angesichts der gegenwärtigen kirchlichen Situation zu wenig an den Sinn und die Notwendigkeit einer „Bekennenden Kirche“ damals?!?

Vielleicht wäre so eine Art christlicher Oppositionsbewegung für die Gegenwart ja auch Mal wieder geboten, ja, vielleicht sogar dringend notwendig?!? Diesmal dann aber eine noch breiter aufgestellte Oppositionsbewegung von evangelisch-volkskirchlichen und freikirchlichen Christen, die sich gegen staatliche und innerkirchliche Übergriffe auf das christliche Glaubensbekenntnis zur Wehr setzt?!

Brauchen „wir“ Christen heute möglicherweise mehr denn je eine neue, aktualisierte Abgrenzung der christlichen Lehre von allen politischen Ideologien und staatlichen, ideologischen Totalitätsansprüchen, die sich in der orwellartigen sog. „political correctness“ und einem „ideologisierten Gutmenschentum“ äußern und die das Bekenntnis zu Christus als dem lebendigen Wort Gottes und als dem HERRN der Welt angreifen?

Damals wurde im Mai 1934 die sog. „Barmer Theologische Erklärung“ als Grundlage für die konstituierte „Bekennden Kirche“ formuliert. Brauchen „wir“ heute möglicherweise wieder so ein Orientierung gebendes „Bekenntnis“, das auf die kirchlich-christliche Gegenwart bezogen reagiert und Entsprechendes formuliert, damit sich eine neue „Bekennende Kirche“ konstituieren kann?

Die neue „Bekennende Kirche“ müsste überkonfessionell als biblisch orientiertes Christentum operieren und ohne die im Dritten Reich die Bewegung schwächenden taktierenden Manöver einzelner Konfessionskirchen zu einer inneren und äußeren Einheit bei konfessioneller Verschiedenheit finden …

Ist in Deutschland die Zeit (bereits) reif für eine solche neue, notwendige „Bekennende KIrche“ all derer, die z.B. sagen können:

„Alle, von denen in diesem Buch die Rede ist, … haben ihre Leiden nicht darum auf sich genommen, weil sie mit der Politik des Dritten Reiches nicht einverstanden waren und in ihr ein Verhängnis für unser Volk erkannten, sondern nur …, weil sie das Bekenntnis der Kirche angegriffen sahen und es, gelte es auch den Einsatz des Lebens, um der Treue zu Christus willen zu wahren hatten.“ (aus der Einleitung des ‚Märtyrerbuches‘ von 1949, in dem ermordete Angehörige der Bekennende Kirche gelistet waren).

Ist die Zeit reif für eine Bekennende Bewegung von Christen, die zwar nicht (mehr) „Kirche“ genannt werden kann und auch vielleicht nicht mehr so genannt werden sollte, die aber uneingeschränkt als zur Wahrheit des biblischen Zeugnisses vom Wort Gottes und vom Evangelium Christi stehend als „Bekennende Christen“ verstanden werden können. Eine überkonfessionelle Bewegung des Widerstands und der im Bekenntnis ausgesporchenen Überzeugung, dass die Bewegung der Bekennenden Christen den wahren Leib Christi abbilden (… nicht „die anderen“) und entsprechend ihr Leben führen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Barmer_Theologische_Erklärung


„GenderGaga“ – ein Kommentar von katholon.Blog

Birgit Kelle hat ein neues Buch geschrieben. Nach der „Bluse“, nun „Gender-Gaga“, zum Wahn einer destruktiven Ideologie unserer Zeit. Ich habe es selbst noch nicht gelesen, werde das aber umgehend nachholen, sobald es mir vorliegt. Der Kommentar von Peter Winnemöller zum Buch auf „Katholon.Blog“ ist jedenfalls vielversprechend und hilfreich. Das Thema ist wichtig. Aufklärung ist überfällig.

Bitte hier lesen: http://katholon.de/?p=8203

http://www.amazon.de/GenderGaga-absurde-Ideologie-unseren-erobern/dp/3863340450/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425121373&sr=8-1&keywords=Gender-Gaga

Anbei eine kleine Auswahl an Literatur zum Thema, auch deshalb zur Lektüre empfohlen, um selbst zum Thema kompetent(er) und sprachfähig(er) zu werden. Akademische Titel und Publikationen der Forschungsergebnisse zum Thema „Gender“ insgesamt kann man teilweise in den hier erwähnten Büchern zitiert finden:

Christoph Raedel:

http://www.amazon.de/Gender-Mainstreaming-Geschlechter-Thomas-Schirrmacher/dp/3775155228/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425121553&sr=8-1&keywords=Raedel+gender

Volker Zastrow:

http://www.amazon.de/Gender-Politische-Geschlechtsumwandlung-Volker-Zastrow/dp/3937801138/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425121646&sr=8-1&keywords=Zastrow+gender

Barbara Rosenkranz:

http://www.amazon.de/MENSCHINNEN-Gender-Mainstreaming-geschlechtslosen-Menschen/dp/3902475536/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425121722&sr=8-1&keywords=Menschinnen

Manfred SprengHarald Seubert:

http://www.amazon.de/Vergewaltigung-menschlichen-Identit%C3%A4t-Irrt%C3%BCmer-Gender-Ideologie/dp/3981430336/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425122055&sr=8-1&keywords=Spreng+gender


„Als Atheist merke ich an …“

Auf dem diesjährigen Kongress für christliche Führungskräfte in Hamburg wurde von Manfred Lütz eine wichtige Aussage gemacht in Form eines notwendigen Appells: „Christen, kennt und bekennt euren Glauben!“ Wie wichtig ist diese Aufforderung doch gerade heute in unserer „glaubensarmen Zeit“.

Das christliche Nachrichtenmagazin idea hat auch sogleich über den Beitrag von Lütz online Bericht erstattet. Und zu diesem Bericht haben – wie das heutzutage so üblich ist – einige Leser online einen Kommentar abgegeben. Auch ein „bekennender Atheist“ war unter den Kommentatoren. Sein Kommentar hat mich angesprochen, ja, regelrecht aufgerüttelt. Er zeigt quasi die andere Seite der Wirklichkeit auf, die der Appell von Lütz adressiert. Der Atheist resümiert trocken – hier mit meinen Worten kurz zusammengefasst: „Christen wissen meistens gar nicht was sie glauben. Deshalb macht es keinen Sinn, mit ihnen zu diskutieren.“ Das trifft … ins Schwarze, befürchte ich. Er könnte wahrhaftig Recht haben. Dadurch würde der Appell von Lütz noch bedeutsamer „kenne“ und „bekenne“. Hier der Originalwortlaut des Postings:

als atheist merke ich an: das ist sicherlich im disput sehr förderlich, wenn man wirkliche christen, die stark sind in ihrem glauben und argumentieren können, gegenüber hat. welcome! leider ist das bei den meisten eingetragenen „papier“christen so gar nicht der fall.

über allgemeinplätze wie „… aber, die bergpredigt! und die nächstenliebe!“ geht es häufig nicht hinaus, wobei der wortlaut nicht einmal bekannt ist. argumente, die dann kommen, beziehen sich eher auf die weltliche ausprägung, sprich die kirchen („… was die nicht alles gutes tun“), unwissend der tatsachen der missetaten dieser kirchen. aber da geht es ja auch nicht um den glauben.

ergo: es ist viel dünne kenntnis vorhanden, weder ist die bibel wirklich bekannt, noch wissen die meisten wirklich über die kirchengeschichte bescheid. das wissen um die eigentliche heilsbotschaft bleibt im allzu ungefähren.

merke: „denn sie wissen nicht, was sie glauben“

Jetzt mag man viel darüber reden, dass das doch so nicht stimme, was er behauptet, dass das viel zu pauschal geurteilt sei, Christen sehr wohl ihren Glauben kennen würden usw. usw. Doch lassen wir das doch einfach einmal stehen als eine Beobachtung eines Menschen, der offensichtlich wenigstens gelegentlich mit Christen diskutiert und sich mit ihnen auseinander gesetzt hat. Der Grundwasserspiegel der Kenntnisse von den Inhalten der Bibel, des christlichen Glaubens, der Geschichte der Kirche ist mittlerweile unter Christen sehr niedrig geworden. Und die post-moderne Denke, dass man sowieso keine substantiell eindeutigen Antworten des christlichen Glaubens und der Wahrheit mehr geben könne usw., sowie das mehr sentimentale „Gefühls-Christentum“ oder das religiös-sozial-politische Gutmenschentum im christlichen Gewand, tragen nicht gerade dazu bei, diesen Grundwasserspiegel wieder steigen zu lassen. Im Gegenteil.

Ich will jetzt nicht lange lamentieren, will auch keinen Vortrag halten über die zentralen christlichen Glaubensüberzeugungen, die zu wissen und zu glauben notwendig und heilsnotwenig sind. Aber eines will ich doch, nämlich betonen, dass alle Christen ihren Glauben, ihre Bibel, ihre Geschichte gut kennen sollten, auf dass sie „stark in ihrem Glauben sind“ und auch gut „argumentieren können“, wenn Atheisten, Agnostiker, Glaubensmüde, Kirchengeschädigte, Gottsucher, Gottesleugner oder normale religiöse Analphabeten uns Fragen zu unserem Glauben stellen. „Kenne“ (inhaltlich usw.) deinen Glauben gut! Dann „bekenne“ deinen Glauben an Christus vor den Menschen.

1Petr. 3,15: „Seid auch allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung.“

Hebr. 5,11-14: „Über ihn haben wir viel zu sagen, und zwar Dinge, die schwer zu erklären sind, weil ihr träge geworden seid im Hören. Denn obgleich ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr es wieder nötig, daß man euch gewisse Anfangsgründe der Aussprüche Gottes lehrt, und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Wer nämlich noch Milch genießt, der ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit; denn er ist ein Unmündiger. Die feste Speise aber ist für die Gereiften, deren Sinne durch Übung geschult sind zur Unterscheidung des Guten und des Bösen.“

Das Phänomen der glaubensarmen Zeit ist wohl ein „altes“, wie dieses schöne, aufmunternde Lied „O komm du Geist des Wahrheit“ von Carl Johann Phillip Spitta (1801-1859) verdeutlicht. Ich finde es gut, wenn wir Christen uns zu neuem „Kennermut“ und „Bekennermut“ aufwecken und einladen lassen, auch im Jahre 2015 und darüber hinaus bis der HERR Jesus schließlich wiederkommt.

1) O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

4) Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.

5) In aller Heiden Lande erschallt dein kräftig Wort,
sie werfen Satans Bande und ihre Götzen fort;
von allen Seiten kommen sie in das Reich herein;
ach soll es uns genommen, für uns verschlossen sein?

6) O wahrlich, wir verdienen solch strenges Strafgericht;
uns ist das Licht erschienen, allein wir glauben nicht.
Ach lasset uns gebeugter um Gottes Gnade flehn,
dass er bei uns den Leuchter des Wortes lasse stehn.

7) Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.


Der Chip, der unter die Haut geht …

Der Chip unter der Haut, der zu allem Möglichen von Nutzen sein soll. Vor über 25 Jahren habe ich da bereits Szenarien gelesen, die beschrieben haben, was solch ein Chip für den Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt, v.a. für Dienstleister und die Wirtschaft, bringen soll. Erste Versuche beim Türöffnen der eigenen Wohnung oder für personalfreies und bargeldloses Einkaufen oder zur Ortung von Kindern, falls die sich verirren, sind bereits seit Jahren, auch in Deutschland, in der Erprobung. Nun wird das Ganze in Schweden noch weitergehender „populär“ und sogar freiwillig eingesetzt.

Ohne Zweifel, diese „Technik unter der menschlichen Haut“ wird bei uns in Deutschland auch eingeführt werden, garantiert … Was ich davon halte? Nun, das behalte ich jetzt (… aus Jugendschutzgründen) besser für mich …

Schwedische Arbeitnehmer lassen sich Chip implantieren – freiwillig

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: In Schweden lassen sich Büroangestellte einen Chip einpflanzen. Schwappt die Cyborg-Welle auch nach Deutschland? Datenschützer sind alarmiert. Anbei der Artikel

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/rfid-chip-bueroangestellte-schweden-13438675.html


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